| Bislang galt der Michelin ja als DER Restaurantführer schlechthin. Und da hab ich mir gedacht, das änder ich jetzt mal! Und zwar werde ich dieses Jahr den „Frank“ zeugen. Einen Restaurantführer für’s Viertel. Jeder, der da ein Sternchen von mir bekommt, kann zukünftig ne halbe Nase höher durch’s Viertel rennen und voll angeben. Ich werde vorher selbstverständlich NICHT verraten, wann ich welchen Gastronom mit meinem Test-Besuch beglücken werde. Hat der gute alte Louis de Funès in seinem Film „Brust oder Keule“ ja auch nicht getan, wa!? Und selbst, wenn ich zu Weinpröbchen, Sauerbraten, Elsässer-Schlachtplatten oder Dschingis-Khan-Platten für vier Personen eingeladen würde: nää, ich lass mich nicht erpressen! Ich stell mir das in etwa so vor: Ich komm in so ne Location (nennt man heute so) und setz mich und bestell mir erst mal ein Getränk. Bevor ich mir was zu essen bestelle, geh ich erst mal auf’s Klo und guck, ob man der Küche trauen kann. Dass | Klo und Küche was gemeinsam haben sollen, find ich zwar irgendwie eklig, ist aber scheinbar so. Wenn das Klo den Eindruck erweckt, dass die Küche sauber ist (ahbasses!), dann bestell ich mir noch was zu essen.
Die Benotung und das eventuell zu vergebende Sternchen resultieren dann aus Posten wie „Freundlichkeit der Bedienung“, „Schnelligkeit im Service“, „Qualität des Essens“ etc. Also eigentlich alles wie immer. Und wenn in diesem Jahr eh alles wie immer ist, dann fĂĽhrt mein neuer „Frank“ zu nem echt langweiligen Ergebnis: Alle bekommen nen Stern, alle laufen zukĂĽnftig ne halbe Nase höher durch’s Viertel und alle geben voll an. Ich glaub, dann kann ich’s auch lassen, oder? War ja auch nur mal so ne Idee.... Ich komm Euch trotzdem besuchen! © Melanie Kausa, 08.01.03 |
| Liebe Frankenberger! In punkto Multi-Kulti oder – wie es heutzutage fĂĽrnehm heiĂźt - „Kosmopolitik“ könnt Ihr von uns „Ossis“ ja wohl noch ne Menge lernen, wa!? Ihr habt zwar et „Effes“, et „Kalymnos“ und nen Itaker, aber das war’s dann auch schon. Wir im Osten hätten da nämlich z.B. noch et „Chez Mama Rosa“ auf’m A-Weg, genau gegenĂĽber vom Knast, anzubieten. Da treffen sich die Schwatten, die tagsĂĽber in ihren Läden bunte Zöpfchen, Trömmelchen und gefährlich neon-gefärbte Limo verkloppen! Das soll jetzt nicht angeberisch klingen, aber ich hab mir halt mal ein paar Gedanken gemacht und das wird ja wohl erlaubt sein. Und neulich hörte ich doch, dass Ihr fĂĽr’s nächste Jahr eventuell nen Weihnachtsmarkt auf’m Neumarkt plant. Find ich ne super Idee! Dann könntet ihr Euch demnächst nämlich auch todschick „kosmopolitisch“ nennen und zudem gleich mehrere gute Zwecke auf einmal erfĂĽllen! Die ganzen Holländer, Belgier, Franzosen und Engländer, die im Moment die komplette Ă–cher Innenstadt verstopfen, kämen dann nämlich zu Euch und wĂĽrden ihr Geld dem Viertel zugute kommen lassen! Die „KĂĽnstler“ des Viertels könnten denen problemlos ihre „Werke“ andrehen. Egal, ob es nun ein Bild oder ne Makramee-Blumenampel oder gar ne | Salzteig-Skulptur ist – einfach ein bisschen mit Gold besprĂĽhen, nen Tannenzapfen dran und auf Weihnachten trimmen, dann kaufen die Holländer, Belgier, Franzosen und Engländer das! Die in Eurem Viertel ebenfalls nicht zu knapp ansässigen Pädagogen könnten sich ebenfalls nĂĽtzlich machen und denen total verkehrtes Deutsch lernen, damit wir bei der nächsten Pisa-Studie nicht ganz so beschissen abschneiden! Zwecks Anreise der Gäste, die von noch weiter her kämen (z.B. aus Afrika oder so), könnte man kurzerhand die BismarckstraĂźe zur Landebahn erklären. Den Adalbertsteinweg können wir da leider nicht fĂĽr nehmen, denn den muss ich ja nachmittags um fĂĽnfzehn Uhr dreiĂźig betrunken ĂĽberqueren, wenn ich mal wieder beim „Weinfreund“ einkaufen war. Oder wenn ich nach einer genĂĽsslichen GlĂĽhweinrunde aus der Stadt komme, die endlich wieder zu betreten ist, weil die ganzen Holländer, Belgier, Franzosen und Engländer neuerdings im Frankenberger-Viertel rumhängen. Tolle Idee, oder? Ich finde, da solltet Ihr mal ernsthaft drĂĽber nachdenken, weil, das tut Ihr ja ohnehin so unheimlich gern und ausgiebig... In diesem Sinne: Fröhliche Weihnacht und Prösterchen, wa!? © Melanie Kausa, 15.12.02 |
| | Ich wohn’ auf’m Adalbertsteinweg. Wetten, Sie haben jetzt "OH" gesagt? Oder zumindest gedacht? Hier konnte ich nämlich schon des öfteren interessante Beobachtungen machen! Wenn man in Aachen neue Leute kennen lernt, so wird man ĂĽber kurz oder lang zwangsläufig mit der Frage konfrontiert: "Und? Wo wohnste?" Entgegnet man nun "im Frankenberger Viertel", so reagiert das fragende GegenĂĽber zumeist mit einem "OH". Lautet die Antwort hingegen "im Ostviertel", so folgt eher ein "OH". Und, lieber Leser, dies ist weder dasselbe noch das Gleiche! Im Gegenteil! Während sich das "Ich-wohne-im-Frankenberger-Viertel-OH" vor allem durch Bewunderung, Respekt und nicht selten auch Neid auszeichnet, ist das "Ich-wohne-im-Ostviertel-OH" oftmals eine Mischung aus "och härm" und "uuh jööh, die Russenmafia!". Wenngleich diese fĂĽr uns Ansässige nicht unerhebliche Differenz fĂĽr das Hubble-Teleskop eher geringfĂĽgigen Charakter haben dĂĽrfte, frage ich mich schon seit Jahren, wo denn nun genau die Linie zwischen Frankenberger- und Ostviertel verläuft. Zum einen verläuft sie sicherlich an der Kreuzung BismarckstraĂźe/Oppenhoffallee und zum anderen an der Kreuzung ViktoriastraĂźe/OranienstraĂźe. "Oder, um es der Einfachheit halber mit dem Rolka-Stadtplan zu sagen: genau auf der Kreuzung F/G 5/6. | | | Aber ich will Ihnen mal was verraten: ich fĂĽhl’ mich sauwohl in Planquadrat F 5 ! Oder, wie ich es liebevoll zu nennen pflege, in meinem "Klein Istanbul". Und die Russenmafia, dies sei zur Beruhigung erwähnt, ist ohnehin eher im Driescher Hof ansässig. Zwar ist die Kneipendichte im Ostviertel fĂĽr Menschen weiblichen Geschlechts eher weniger geeignet und im "Pittermännchen" gefallen mir weder die Musik noch die davor parkenden grĂĽn-weiĂźen Autos, aber mein TĂĽrke vom "Sipan-Grill" liest mir den Wunsch nach einem leckeren GemĂĽseauflauf immer schon von den Augen ab. Zu "Fische Ritter" ist es nur ein Katzensprung und beim "Weinfreund" wurde ich schon des öfteren zu mir eher unangenehmen Tageszeiten zu einer Weinprobe animiert, was zur Folge hatte, dass ich nachmittags um fĂĽnfzehn Uhr dreiĂźig betrunken den A-Weg ĂĽberqueren musste. In der stets nach Pipi stinkenden "Monte-Carlo-Spielhölle" wechselt man mir ohne Murren mein Zigarettengeld und ’nen geschichtsträchtigen Park mit ĂĽppigst gedeihender Flora, auch "Ostfriedhof" genannt, haben wir auch! An die Marihuana-Farm nebenan und die kleinen SchieĂźereien hier und da hab ich mich ohnehin längst gewöhnt... OH!! © Melanie Kausa, 04.12.02 | |