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Der Mullefluppetpreis 2001 für das “Frankenberger Viertel” |
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Bericht aus der AACHENER ZEITUNG v. 26.10.01 |
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Wo Aufstand Programm ist und der Imperator resigniert |
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Aachen. Die «Kappertz-Hölle» des Saalbaus Rothe Erde
brodelte am Donnerstagabend. Mit Slapstick, Tanz und Kabarett, Öcher Lebensart, Asterix-Parodien und spitzzüngigen Reden bot das Mullefluppet-Fest der AZ ein breites Programm-Spektrum, das Der 17. Mullefluppet-Preis ging nach der Alt-Aachener Bühne (1994) zum zweiten Mal an eine Gruppe - erstmals aber an ein ganzes Stadtviertel: das Frankenberger Viertel. Ausgezeichnet wurden die Tugenden des AZ-Mullefluppet: Humor, Hilfsbereitschaft, Schlitzohrigkeit und Liebe zu Aachen. Das Frankenberger Viertel, das wehrhafte «Gallien» des «römischen Reiches Aachen»? Das Eigenleben rund um die Frankenburg mit seinen vielen Initiativen und der einstigen Blockade des Anwohnerparkens sprechen dafür . . . So begann am Donnerstagabend das Mullefluppet-Fest mit dem von Fanfaren
begleiteten Einzug von «Cäsar» Jürgen Linden und mit den Zaubertrank-gestärkten Asterix & Co. - bestehend aus dem (erweiterten) Ein wahrlich schwerer Stand für den «Imperator» aus dem Rathaus. «Der Frankenberger hat einen ausgeprägten Willen. Da wird der Begriff Bürgerwille zu einer gallischen Steinschleuder der Neuzeit», befand Kuratoriumssprecher Kutsch in der Laudatio. Das Aufständische sei dem Preisträger in die Wiege gelegt: «Schließlich begann 1873 eine Aktiengesellschaft den Bau des Viertels ohne Genehmigung des Burtscheider Gemeinderates.» Im Grunde aber sei der Frankenberger friedlich und kuschele sich gern in seiner heilen Welt ein. Kutsch:
«Treff und Talks in den vielen Eckkneipen oder kleinen Läden mit dampfendem Kaffee, Infokästen mit Suche nach Wohnung, Saxophon oder Liebe,
Fahndungszettel an den Bäumen nach entschwundenen Katzen, Herbstlaub im Park, Inline-Skating auf dem Kirchplatz, ein herber Tropfen Nierensteiner Rüpelstritt unter freiem Himmel - das ist die Welt von Frankonium.» Die acht Preisträger bedankten sich stellvertretend für ihr Viertel mit einem eigens vom Frankenberger Musiker Bernd Weiß komponierten Ohrwurm. Ein mitreißender Song, der sicher nicht zum letzten Mal präsentiert wurde. Musikalisch begleitet vom Leo-Lamm-Trio, ging es im bunt
gemischten Programm Schlag auf Schlag. Die Tanzwerkstatt Carla Brettschneider wartete mit einer phantasievollen Choreographie des Straßenlebens im Viertel auf, Gitta Haller
brachte das Publikum in ihrer unnachahmlichen Art in Wallung. Das Das Da Theater - auf der Burg Frankenberg mit seinem Shakespeare-Kultursommer beheimatet - präsentierte wunderschöne Auszüge Rudi Zins und Manni Hammers, die beiden Moderatoren der alternativen «Strunx-Sitzung», hatten eigens für diesen Abend einen Dialog einstudiert. Gitta Haller und Albert Henrotte spielten die traditionellen Tratsch-Nachbarn Frau Noffzang und Herr Denge, Henrotte gab zudem seinen Einmann-Sketch «Der Franzues» zum Besten, bevor das «Grande Finale» den Schlusspunkt setzte. |
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Bericht aus der AACHENER ZEITUNG v. 27.10.01 |
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Wo die pure Lust am Leben herrscht: |
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Aachen. Der heimliche Star saß in der hinteren Reihe. Ganz bescheiden, korrekt in Sakko mit Krawatte gekleidet. Er ist einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste Bürger aus dem Frankenberger Viertel und insoweit so etwas wie eine Symbolgestalt des Stadtviertels. Und Anton Breiden genoss das Programm der Mullefluppet-Preisverleihung bei Kappertz offensichtlich. Schließlich durfte er sich direkt mit geehrt fühlen durch die dreistündige Mischung aus Tanz, Gesang, Kabarett und jeder Menge feinster Mundart. Und Anton Breiden erhob sich bescheiden, als er vom Moderator der Preisverleihung, AZ-Redakteur Manfred Kutsch, als besonderer Ehrengast im Saalbau Kappertz begrüßt wurde. Tosender Applaus für den Senior unter den 400 Gästen. Er wohnt im «pars quarta monte franconium», wie das Frankenberger Viertel stilecht in der Bühneninszenierung frei nach Asterix und Obelix bezeichnet wurde - und das mit Leib und Seele. Nicht zuletzt, weil man sich dort noch kennt und hilft. Ein Verhalten, für das Gerd Dupont, Wernfried Dussin, Uschi und Hans-Dieter Jurewicz, Geli Kampmeier, Adam C. Oellers, Marlene Priemer und Erlend Remie stellvertretend stehen.
Und selbstverständlich hatte sich diese Gruppe etwas einfallen lassen, um sich für die Auszeichnung zu bedanken. Quintessenz eines inszenierten Thekenplausches: Es gibt in Aachen nichts, was es nicht vorher schon im Frankenberger Viertel gab. Und alle sind sich sicher: «Unser Viertel ist eines der lebendigsten, schönsten und aktivsten in der ganzen Stadt.»
Eine Gegend mit einer ganz besonderen «Stratosphäre», wie «Herr Denge» alias
Albert Henrotte, Nur auf einen Kultsketch mussten die Mullefluppet-Fans verzichten: «De Keäz» von Hans Alt. An das Gründungsmitglied des Kuratoriums, das zurzeit im Krankenhaus liegt, ging ein ganz besonderer Gruß. Sein Nachfolger Christian Mourad ist als AKV-Geschäftsführer aus dem idealen Holz
geschnitzt, um auch künftig dem Mullefluppet-Preis neue Ideen zu vermitteln. Das «Das Da Theater», das seit zehn Jahren auf der Burg Frankenberg mit
Shakespeare-Inszenierungen tausende Gäste ins Viertel lockt, und die Hans-Peter Leisten (Text) und Michael Jaspers (Fotos) |
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Kappertzhölle 25. Oktober 2001 |
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Laudatio von Manfred Kutsch |
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Der Frankenberger in sich, im allgemeinen, vor allem aber im besonderen verfügt über ein
gesundes Selbstbewusstsein. In Anbindung an die Teig-Imperien Kickartz und Moss neigt er selten dazu, kleine Brötchen zu backen. Einerseits ist er verwurzelt im Erdreich der einstigen
Ritterburg, eingeigelt zwischen Jugendstil, Klassizismus und Barock, gestrandet im Insulaner und eingebunkert im Rockbunker. Andererseits hält er sein Stadtviertel wenn der
Frankenberger überhaupt Vergleiche zulässt für eine Symbiose von Schwabing, Lindenstraße und Disneyland. Meine Damen und Herren, der Frankenberger in sich, im allgemeinen, vor allem aber im besonderen hat einen ausgeprägten
Willen. Da wird der Begriff Bürgerwille zu einer gallischen Steinschleuder der Neuzeit. Das Schöne ist: Die Damen und Herren
Politiker, ob der rote Karl Schultheis oder der schwarze Marcel Philipp gehen nicht in Deckung, sie schleudern mit. Das globalisierte gallische Dorf Aachens. Noch ist dort niemand auf die Idee gekommen, Wildschweine im Grün der Frankenburg
auszusetzen, zu jagen und beim anschließenden Festmahl den Frankenberger Vegla-Manager und AKV-Präsidenten Dirk von Pezold als geknebelten Troubadix an den nächsten Baum zu fesseln. Meine Damen und Herren, gallische Streitlust hin, verspielte und gespielte Hybris her. Im Grunde ist der Frankenberger in sich,
im allgemeinen, vor allem aber im besonderen ein friedliches, freundliches Wesen, das sich gern in einer heilen Welt einkuschelt.
Treffs und Talks in den vielen Eckkneipen oder den kleinen Läden mit dampfendem Kaffee, Infokästen mit Suche nach Wohnung, Saxophon oder Liebe, Fahndungszettel an den Bäumen nach entschwundenen Katzen. Herbstlaub im Park,
Inline-Skating auf dem Kirchplatz, ein herber Tropfen Nierensteiner Rüpelstritt unter freiem Himmel. Das ist die Welt von Frankonium. Marlene Priemer, im Viertel geboren, seit 13 Jahren Mitglied im Kirchenvorstand von Herz Jesu, einer der Motoren des
Gemeindelebens zwischen Kinderkarneval, Seniorenreisen, Sternsingeraktionen und Engagement für ein Taubstummenheim auf Haiti. Kfz-Mechaniker, Motorrad-Freak und Familienvater Erlend Remie, der Mister Boule von Frankenberg, einer der Initiatoren der
Bahn am Neumarkt. Wenn der Beckenbauer des Boulespiels knochenknirschend in die Knie geht und mit unbewegtem
Django-Blick sekundenlang zielt. Wenn er den Arm schließlich balletös schwingt und die 300 gramm schwere Kugel elipsenförmig wirft, dann raunen die Frauen, stöhnen die Männer und grunzt das Schweinchen. Kommen wir zum protokollarischen Höhepunkt, zum einzigen Bürgermeister eines Platzes in der deutschen Republik: Hans-Dieter Jurewicz nebst seiner Uschi, der First Lady des Neumarktes. Er, der Chef aller Pfeifen, Initiator der Open-Air-Karnevalssitzung, der IG Neumarkt, der Mann, der das Spielplatz-Klo auf eigene Kappe sanierte, der Propeller zwischen Viertels-Grillen, Vernissagen und Fachliteratur zum Anwohnerparken. Sie, die Ehefrau, die das alles aktiv mitträgt und dabei ihn erträgt. Beide zusammen die Nachrichtenbörse des Frankenberger Viertels schlechthin. Meine Damen und Herren, jetzt wissen Sie, warum das Frankenberger Viertel den Mullefluppet-Preis 2001 erhält. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und gratuliere den Frankenbergern herzlich. Vielen Dank!
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